Wenn plötzlich das Zuhause weg ist

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Eigentlich wollten wir Angelo besuchen – dazu fahren wir extra fast eine Stunde mit dem Jeepney, dem typischen öffentlichen Verkehrsmittel der Philippinen. Angelo hat mit Hilfe des Mikrokredits seinen Friseurladen renoviert. Für unseren Besuch haben wir keinen Termin vereinbart, Zeit und Pünktlichkeit wird hier ganz anders verstanden als Zuhause.

Als wir ausstiegen, standen wir an einer Baustelle, Angelos Heim existiert nicht mehr. An der Stelle, an der sich sein Friseurladen befand, bauen Straßenarbeiter einen Kanal. Dahinter sehen wir die Reste, die von seiner Hütte übrig geblieben sind. Leslie Nabong von Project Life Subic erzählte später: „Weil sie sich keine sicheren Gebiete für ihre Unterkünfte leisten können, bauen sie sich oftmals eine kleine Hütte irgendwo an den Straßenrand. Dicht gedrängt an bereits bestehende Hütten entstehen so ganze Armenviertel. Ob das legal ist, danach fragen die Menschen nicht. Sich mit Baurecht zu befassen, haben sie nie gelernt. Wozu auch?“ Und als die Stadtverwaltung ein neues Kanalsystem bauen wollte, wurden alle illegalen Hütten abgerissen.

Angelo hatte immer alle Raten pünktlich zurückgezahlt, bis er sein Geschäft schließen musste. Aktuell hat GMI Angelo die Raten gestundet. Strafzinsen oder Gebühren muss er nicht zahlen. Auch nach langem Suchen können wir ihn nicht finden. Nachbarn erzählen uns, dass Angelo bei verschiedenen Freunden Unterschlupf gefunden hat, um nicht im Freien schlafen zu müssen. Er macht Hausbesuche, damit er trotz zerstörtem Laden etwas Geld verdienen kann.

 

Autor: Andreas Schüßler