Hösbacher Hilfsorganisation setzt sich zusammen mit dem Tamar Center in Pattaya für ein besseres und selbstbestimmtes Leben für Mädchen und Frauen ein.

Nong ist eine fröhliche Frau in der Provinz Korat, einer armen, ländlichen Region im Norden Thailands. Mit ihrer kleinen Näherei verdient sie nicht nur den Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Familie, sondern sie ist auch ein wertvoller Teil der Dorfgemeinschaft. Das war nicht immer so. Noch vor wenigen Jahren arbeitete Nong in einer der Bars im Rotlichtviertel von Pattaya. Wie viele andere Frauen und Mädchen war sie in die Armutsprostitution geraten. Die Hösbacher Hilfsorganisation Global Micro Initiative e.V. (GMI) finanzierte ihr eine Ausbildung. Gemeinsam mit dem Tamar Center setzt sich GMI für die Frauen in Pattaya ein. Ansprechpartnerin für GMI ist die 43-jährige Steffi, die seit 7 Jahren ihren Mann in der Leitung des Tamar Centers unterstützt.

1999 kam Steffi zum ersten Mal im Rahmen eines Hilfseinsatzes im Rotlichtviertel von Pattaya mit der Not der Frauen dort in Berührung. “Es hat mich sehr getroffen, wie schlecht es den Frauen ging, die dort in der Prostitution arbeiteten”, erinnert sich Steffi. Im Tamar Center erfuhr sie, dass viele Frauen und Mädchen in den Bars arbeiten, weil sie keine Bildung und somit keinen Zugang zu guten Jobs haben, mit denen sie ihre Familien ernähren könnten. Tief beeindruckt von der Arbeit des Tamar Centers und der Not der Frauen besuchte Steffi seit damals regelmäßig zusammen mit ihrem Mann das Zentrum, das den Mädchen und Frauen der Bars Hoffnung, Heilung und Bildung ermöglichen möchte. Vor 7 Jahren zog das Ehepaar schließlich ganz nach Thailand, um die dortige Arbeit zu unterstützen und die Leitung des Tamar Center zu übernehmen.

Die Aufgaben der aus der Nähe von Krefeld stammenden Steffi sind vielfältig und könnten unterschiedlicher kaum sein: Neben der Unterstützung ihres Mannes hilft sie mit Designs von Karten und anderen handgefertigten Produkten, beim Einkauf der passenden Materialien, fotografiert die Produkte für den Online-Shop und die Website, hilft bei Trainings, führt Interviews mit Frauen, die Interesse am Ausstieg aus der Prostitution und am Hilfsprogramm des Tamar Centers haben, hilft in vielen Bereichen ganz praktisch mit und ist immer dort, wo Hilfe benötigt wird. Ihre Leidenschaft für das Kochen und Backen setzt Steffi, die außerdem gerne am Meer spazieren geht, zum Beispiel für das Café des Tamar Centers ein.

“Genau wie bei GMI, so ist es auch unser Ziel als Tamar Center, den Mädchen und Frauen zu helfen, ein besseres, selbstbestimmtes Leben zu führen”, berichtet Steffi. “Als Tobias uns fragte, ob wir an einer Zusammenarbeit interessiert wären, fiel uns die Entscheidung zur Kooperation leicht.” Während eines gemeinsamen Einsatzes mit einer Hilfsorganisation im südostasiatischen Raum hatten Steffi und ihr Mann den späteren Initiator von GMI kennengelernt. “Durch die Unterstützung von GMI ist es uns noch mehr als bisher möglich, in einzelne Ausbildungen für Frauen, die das Leben in den Bars hinter sich lassen möchten, zu investieren. Durch GMI haben wir die Möglichkeit, Frauen auf längere, bessere Trainingskurse zu schicken. GMI hat bereits Näh- und Kochausbildungen finanziert, außerdem Startersets für ein mehrwöchiges Programm für neue Frauen, die zu uns kommen.”

Als Kontaktperson zwischen Tamar Center und GMI ist Steffi begeistert von der guten und klaren Kommunikation mit dem Team der Hösbacher Hilfsorganisation. “Es ist super, dass wir gemeinsam den Frauen hier helfen können, ein besseres Leben, das mit mehr Selbstwert und Zufriedenheit gefüllt ist, zu führen.” Dass GMI ein so junges Team hat, das aus vielen engagierten, freiwilligen Helfern besteht, die ihre Gaben einsetzen, um anderen Menschen zu helfen, findet Steffi klasse. In der heutigen Zeit sei das absolut nicht selbstverständlich. “Unsere Welt braucht Menschen, die sich für andere einsetzen. Zu sehen, wie die GMI Mitarbeiter das tun, ist sehr inspirierend.”

In ihrem Einsatz für die Frauen aus den Bars von Pattaya wird Steffi bestärkt von Lebensgeschichten von Frauen wie Nong. Durch GMIs Hilfe konnte Nong eine 6-monatige Nähausbildung machen. Einige Zeit nach Ausbildungsende war Nong psychisch stabil und hatten den Wunsch, zurück in ihr Dorf zu ziehen, um sich wieder um ihren Sohn zu kümmern, den sie zurücklassen musste, als sie in die Prostitution ging. “Die Frauen in unserem Programm haben oft viele Verletzungen aus ihrer Vergangenheit und besonders aus ihrer Zeit in den Bars. Wir helfen ihnen bei der Bewältigung dieser Traumata. So wird es ihnen wieder möglich, ein Leben außerhalb der Bars zu führen.” Durch die Nähausbildung konnte Nong in ihrem Dorf einen kleinen Nähshop in ihrem Haus eröffnen. Dadurch kann sie ihren Lebensunterhalt verdienen. “Inzwischen ist Nong schon knapp ein Jahr zurück und sie ist glücklich”, erzählt Steffi. “Sie lebt wieder bei ihrer Familie und kann sich um sie kümmern. Durch ihre Ausbildung hat sie ein regelmäßiges Einkommen. Seit COVID-19 leiden zwar viele Familien in Nongs Dorf und haben nicht viel Geld für große Aufträge, aber Nong kommt über die Runden, indem sie Sachen flickt und Masken näht. So ist sie durch ihre neu gelernten Fähigkeiten ein wertvoller Teil ihrer Dorfgemeinschaft geworden.”

Auch für das gerade begonnene Jahr 2021 wünscht sich die engagierte 43-Jährige eine weitere enge Zusammenarbeit mit GMI, um vielen Frauen in Thailand helfen zu können und dadurch den Frauen und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Autor: Silvia