Lek

Lek hatte es nie einfach in ihrem Leben. Die in Pattaya lebende Thailänderin hat in ihren 35 Lebensjahren schon einiges erlebt, darunter leider nicht viel Positives. Nach der Scheidung von ihrem Mann, der damals Alleinverdiener der Familie war, musste Lek, plötzlich auf sich alleine gestellt, ein eigenes Einkommen verdienen. Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihr Heimatdorf zu verlassen und in die nächstgrößere Stadt, nach Pattaya, zu ziehen. Die zwei gemeinsamen Kinder musste sie bei dem Vater zurücklassen.

Die Stadt Pattaya ist traurigerweise bekannt für ihr exzessives Nachtleben und dem damit einhergehenden Sextourismus. Lek arbeitete dort 9 Monate lang in einem Massagesalon. Aufgrund der schlechten Bezahlung und dem Versprechen auf ein besseres Einkommen im Ausland, machte sich Lek auf die Reise in den Oman. Dort angekommen, nahm der neue Arbeitgeber ihr den Pass ab. Der Ort, der eigentlich eine bessere Zukunft für sie darstellen sollte, entpuppte sich als ein Albtraum. Das Gehalt war nicht annähernd das, was man ihr versprochen hatte und es kamen zusätzliche Kosten auf sie zu.

Um diese Kosten zu decken, musste Lek für mehr als nur Massagen für die Kunden da sein. Drei Jahre wurde sie gegen ihren Willen dort fest gehalten. Die immer größer werdenden Schulden bei ihrem Arbeitgeber und der fehlende Pass machten eine Rückreise in ihr Heimatland unmöglich. Traumatisiert von den Begegnungen mit ihren Kunden und gefangen an einem Ort, den sie kaum kannte, wurde es immer unerträglicher für sie. Erst als sie von einem ihrer Kunden schwanger wurde, war ihr Arbeitgeber bereit, sie gehen zu lassen und setzte sie zurück in den Flieger nach Thailand.

Manch einer könnte denken, dass man nach so einem Erlebnis den Lebensmut verliert. Doch nicht so Lek, sie kämpfte sich zurück ins Leben. Wieder in Pattaya angekommen, erfuhr sie von dem Tamar Center und den dort angebotenen Kochausbildungen. Kochen lernen war schon immer ein großer Traum von ihr, da ihre Mutter früher selbst am Straßenrand Essen verkauft hatte. Während der dreimonatigen Ausbildung erlernte Lek das Kochen von thailändischen und auch westlichen Gerichten. Ihr wurden die wichtigsten Regeln beim Servieren und das Zubereiten von Kaffeespezialitäten und Smoothies beigebracht.

Wir wünschen Lek für ihre Zukunft alles Gute und dass ihr Traum von einem eigenen Essensstand, mit dem sie sich ihren Lebensunterhalt sichern kann, in Erfüllung geht. Lek möchte erst einmal weiterhin im Tamar Center bleiben und dort so viel wie möglich, unter anderem auch das Backen, erlernen. Das Tamar Center konnte ihr mit Hilfe von GMI nach all den Jahren in Angst, einen sicheren Ort für sich selbst und ihren neugeborenen Sohn bieten. Sobald sie stark genug ist, möchte sie die Stadt jedoch verlassen und wieder an Unabhängigkeit gewinnen. In der Zwischenzeit geht sie regelmäßig in Seelsorge, um das Erlebte zu verarbeiten.

Autorin: Annika