Sparmäuse

sparmaus

Seinen diesjährigen Aufenthalt auf den Philippinen nutzte unser Vorstandsvorsitzende Tobias Schüßler, um mit dem Team unserer Partnerorganisation Project Life Subic ein neues Programm auszuarbeiten. Dabei geht es darum, den Teilnehmerinnen der von uns geförderten Ausbildungen zur industriellen Textilverarbeiterin die Vorteile des Geldsparens näherzubringen und ihnen außerdem zu helfen, anschließend schneller eine Arbeitsstelle finden zu können.

Wie funktioniert das?

Zu Anfang der 10-wöchigen Ausbildung erhalten alle Teilnehmer eine Spardose in Form einer Sparmaus, in die sie an jedem Unterrichtstag (also 3 mal wöchentlich) einen kleinen Geldbetrag von umgerechnet bis zu 40 Cent einwerfen können. Die Sparmaus wird im Tresor unserer Partnerorganisation aufbewahrt. Die Teilnahme am Sparprogramm ist freiwillig und die Teilnehmer  können natürlich jederzeit ihr Geld aus der Sparmaus zurückerhalten. Insgesamt können die Sparer auf diese Weise umgerechnet bis zu 12 € ansparen – für deutsche Verhältnisse nicht viel, für die Lebensumstände der Teilnehmenden aber mehr, als viele bei sich Zuhause haben. Zusätzlich gibt es natürlich auch Erklärungen, warum Geld zurücklegen wichtig ist und wie das auch nach dem Kurs erreicht werden kann.

Das Geld erhalten die Sparerinnen nach Abschluss der Ausbildung zurück und können es entweder für Notfälle zu Hause lagern oder für die Jobsuche verwenden.

Wie hilft das bei der Jobsuche?

Um sich nach der Ausbildung um einen Arbeitsplatz in der Subic Bay Freeport Zone zu bewerben, müssen die Interessenten nicht nur Geburtsurkunde (zur Verhinderung von Kinderarbeit), Bewerbungsunterlagen und Ausweiskopien einreichen, sondern auch Gesundheitsbescheinigungen einholen – das kostet Zeit und Geld und oftmals noch mehr Zeit, die nötigen Gebühren zusammenzusparen. Mit der Sparmaus erhöhen wir die Jobchancen der Teilnehmerinnen, da sie schneller an die benötigten Dokumente kommen – und je weniger Zeit zwischen Abschluss der Ausbildung und vollständiger Bewerbung liegt, desto besser sind die Chancen auf eine dauerhafte Anstellung!

Hintergrund: Sparen in den Armenvierteln

Anders als in Deutschland sind Geldspar- oder Geldanlage-Möglichkeiten für die Bewohner der ärmeren Gegenden ein unerreichbares Luxusgut. Die allermeisten besitzen kein Bankkonto und nur wenige haben Zuhause einen Notgroschen oder Sparschwein gebunkert. Was an Einkommen – egal ob durch Job oder eigenem Kleinunternehmen – ins Haus kommt, wird in der Regel sofort für Lebensmittel und tägliche Bedarfe ausgegeben. Sind durch Geschenke oder andere Ereignisse mal etwas höhere Geldsummen verfügbar, werden auch diese schnell wieder ausgegeben, denn es gab ja nie den Lerneffekt, dass zurückgelegtes Geld Zinsen abwirft, oder bei Notfällen hilft. Dieses Verhalten ist, von Ausnahmen abgesehen, sicherlich genauso tief in der philippinischen Kultur verwurzelt wie das berühmte Sparverhalten der Deutschen und lässt sich schwer ändern. Mit unserem Sparmaus-Programm machen wir einen ersten Schritt und hoffen, dass es die Teilnehmenden ermutigt, auch in Zukunft immer etwas Geld zurückzulegen.