
Am Müllberg von Bali: Non-Profit-Mikrokredite für einen Wäscheservice
15. Januar 2026Schwül und warm ist die Luft über Sekarteja. Der Geruch von feuchter Erde, reifen Bananen und Rauch aus Kochstellen mischt sich mit dem Duft von frisch gewaschener Kleidung, die vor den Häusern des kleinen Dorfes auf Indonesiens Insel Lombok trocknet. Hähne krähen. Das Lachen spielender Kinder übertönt kurz den Ruf des Muezzins. Motorroller knattern durch die schmalen Straßen, schlängeln sich zwischen Pferdewagen hindurch. Einfache, aus Steinen gebaute Häuser mit unverputzten Wänden und Wellblechdächern säumen die Wege. Erwachsene sortieren Waren, schneiden Gemüse oder bereiten kleine Verkaufsstände vor. Viele arbeiten direkt dort, wo sie wohnen.
Hier lebt die alleinerziehende Erna mit ihrem Vater, ihrer kleinen Tochter und ihren zwei jüngeren Schwestern. Geld für eine weiterführende Schule oder Ausbildung hatte die Familie nicht. Und so suchte Erna nach Möglichkeiten, trotzdem ihren Teil zum Lebensunterhalt beizutragen.
Wenn Armut die Geschäftsentwicklung begrenzt
Aus ihrer Leidenschaft, andere zu schminken, entstand die Idee, einen eigenen kleinen Schminksalon zu eröffnen. Erna besuchte Make-up- und Frisier-Kurse, gewann sogar einige Wettbewerbe und schminkte Schülerinnen für lokale Veranstaltungen in einem eigens dafür hergerichteten Raum ihres Zuhauses.
Doch damit gab sich Erna nicht zufrieden. Deshalb suchte sie nach weiteren Einkommensmöglichkeiten. Abends begann sie zu experimentieren: Sie entwickelte über viele Versuche hinweg ein eigenes Rezept für besondere Bananenchips.

Für diese Chips verwendete Erna eine ganz besondere Bananensorte und ausgesuchte Gewürze. Bald fanden ihre Premium-Bananenchips, die sie „Aoq“ nannte, erste Abnehmer, während das Schminkstudio vor allem zu besonderen Anlässen genutzt wurde.
Trotz ihres großen Engagements stieß Erna ohne eigenes Kapital an Grenzen und ihre Einnahmen reichten kaum für das Nötigste. Mit der Unterstützung durch Global Micro Initiative e.V. eröffneten sich für Erna jedoch neue Möglichkeiten.

Non-Profit-Mikrokredite, kostenlose Schulungen und Beratung als Wendepunkt
„Durch Non-Profit-Mikrokredite, individuelle Beratungen und kostenlose Schulungen erhielt Erna genau die Hilfe, die sie für den nächsten Schritt brauchte“, erläutert Tobias Schüßler, Gründer von Global Micro Initiative e.V. „Sie investierte in hochwertige Make-up-Produkte, moderne Kebaya-Kleider zur Vermietung und in eine neue, versiegelbare Verpackung für ihre Aoq-Chips.”
Das lokale Team von Global Micro Initiative e.V. vermittelte ihr in Trainings zusätzliches Wissen zum Führen eines Kleinstunternehmens und zu Möglichkeiten, Soziale Medien für Werbung zu nutzen.
Außerdem unterstützte es Erna dabei, ein Netzwerk mit anderen Kleinstunternehmern aufzubauen, um sich über alltägliche, geschäftliche Herausforderungen auszutauschen – etwa über ausbleibende Lieferungen oder Kunden, die nicht zahlen können. „Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert dann, wenn Menschen nicht allein gelassen werden. Erst die Kombination aus Beratung, Schulungen, Hilfe beim Netzwerkaufbau und Mikrokrediten schafft nachhaltige Perspektiven“, erklärt Tobias.
Hilfe zur Selbsthilfe eröffnet Bildungschancen für die nächste Generation
Heute sind die „Aoq“-Bananenchips über ihr Dorf hinaus bekannt, Bestellungen erfolgen häufig im Voraus. Im Schminkstudio herrscht besonders zu Festtagen reger Betrieb. Erna beschäftigt inzwischen ihre beiden Schwestern und eine Nachbarin bei der Herstellung und Verpackung der Chips.
Für Erna bedeutet dieser Erfolg vor allem eines: Ihre Tochter hat heute bessere Chancen auf Bildung und auf ein Leben mit mehr Möglichkeiten, als sie selbst sie je hatte.
Global Micro Initiative e.V. unterstützt Menschen wie Erna dabei, die wirtschaftliche Situation ihrer Familie zu verbessern und ihren Kindern den Zugang zu Bildung zu eröffnen. Schon 100 Euro finanzieren einen Non-Profit-Mikrokredit und somit Hilfe zur Selbsthilfe. So können Kleinstunternehmer ihre Familien stärken und sich selbst einen Weg aus der Armut erarbeiten – heute und für kommende Generationen, so wie bei Erna.

Autor: Adrian




